Einigen Arbeitgebern stellen sich die Nackenhaare auf, sobald sie nur das Wort hören: Arbeitgeberbewertungsplattformen oder auch Employer-Rating genannt. Teilweise zurecht, denn die aktuellen oder auch Ex-Mitarbeiter gehen nicht gerade feinfühlig mit Ihnen ins Gericht. So kommen auch mal gerne Aussagen zustande wie: „Wie im Eifelturm, die größten Nieten sind oben!“ – angesprochen durfte sich hier ein Hersteller von Solarmodulen fühlen. Hier schrieb der Angestellte frustriert: „Inkompetenz wird finanziell entlohnt“. Zwei von fünf Sternen.

„Come in and burn out“, der Claim erinnert an Douglas – nur diesen versteht jeder auf Anhieb. Deswegen wurde er auch häufiger verschickt: Krankenhäuser, Werbeagenturen und IT-Unternehmen traf dies wohl hart. Auf den Plattformen findet man nicht nur harte Kritik. Ausgewogene und zum Teil hochgestimmte Äußerungen von Angestellten sind darauf keine Seltenheit. So zum Beispiel eine Stellungnahme aus dem Jahr 2018: „Ich bin gekommen, um zu bleiben, hier gehe ich nicht mehr weg“ Work-Life-Balance und Arbeitsatmosphäre gefielen derjenigen Person, so gut das er das IT-Unternehmen mit fünf vollen Sternen belohnte. Arbeitnehmern ist es heutzutage bekannt, dass sich einige Arbeitgeber besser darstellen als es in Wirklichkeit ist. Wenn der hochgepriesene „Laden“ sich dann doch eher als „Zirkus voller Affen“ entpuppt, ist dies sehr ärgerlich für beide Seiten. Schließlich will doch jeder Karriere machen und nicht gleich sofort nach Neuem Ausschau halten. Nicht immer sind diese knallharten Urteile gerechtfertigt. Alles ist streng anonym, doch muss sich der Arbeitgeber dem wirklich hilflos hingeben?

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Was mit Produktbewertungen anfing, dehnte sich auch auf Arbeitgeber aus. Die Idee dahinter: Plattformen wie kununu.de, glassdoor.de oder meinChef.de bieten den Arbeitnehmern Punktesysteme an, anhand dieser werden Arbeitgeber oder auch ehemalige Arbeitgeber nach festgelegten Kriterien bewertet. Wichtige Unterscheidungszeichen sind zumeist:

  • Gehalt
  • Weiterbildungsmöglichkeiten, Karrierechance
  • Work Life Balance
  •  Arbeitsatmosphäre   
  • Unternehmenskultur 
  • Vorgesetztenverhalten
  • Kollegenzusammenhalt
  • Benefits (flexible Arbeitszeiten, zusätzlicher Urlaub, 13. Gehalt, Boni etc.)

 Doch was taugen diese Arbeitgeber-Bewertungsportale denn wirklich? Wie viel Aussagekraft steckt dahinter und zu welchem Anteil ist es dann doch eher eine Mogelpackung? Einige zweifeln auch an der geringen Glaubwürdigkeit der einzelnen Bewertungen. Vielen Stellen sich folgende Frage: Wie stark greift der Seitenbetreiber ein? Wie viel und was wird gelöscht? Und wie sehr versuchen vielleicht auch die Arbeitgeber durch gefälschte Profile Ihr Unternehmensimage zu beschönigen?

Nicht selten ist es das ehemalige Personal, das dem Frust freien Lauf lässt. So wird versucht dem Arbeitgeber eins auszuwischen und ihm nachhaltig zu schaden.

Nichtsdestotrotz stellen wir Ihnen anschließend die vorhanden Portale vor, vergleichen sie und geben Ihnen einen Leitfaden an die Hand, wie sie mit solch einer Kritik umgehen. 52 Prozent der 16-29 Jährigen hat schon einmal eine Online-Arbeitgeberbewertung gelesen und sich Gedanken darüber gemacht. (Statista.de) Gerade die Gunst dieser Gruppen, also der Generation Y und Z, ist für Arbeitgeber besonders wichtig. Hierbei handelt es sich doch um die dünn gesäten Nachwuchskräfte von Morgen.

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Der Vergleich

Jobvoting.de

(Quelle: https://www.jobvoting.de/)

Seit 2006 ist Jobvoting als First Mover erste Adresse im Bereich Arbeitgeberbewertung im Internet. Mitarbeiter können hier Kritik über ihren Arbeitsplatz äußern oder die besten Arbeitgeber wählen.

Neben der Arbeitgeberbewertung werden den Lesern auch Web 2.0 Funktionen wie Gehaltsvergleich, Jobforum, Firmen-Nachrichten, Stellenanzeigen und Umfragen angeboten. Finanziert wird das Ganze durch Werbeeinnahmen und Employer Branding. Arbeitgeber können Firmenprofile anlegen, Imagevideos hochladen und Arbeitsplatzbilder hochladen. Die angebotenen Zusatzinformationen sind sowohl im Hinblick auf Umfang als auch Qualität ausreichend. Den Gesamteindruck stören jedoch das Fehlen einer Kommentarfunktion und die mit Werbung überfrachtete und unübersichtliche Struktur der Seite.

13 Jahre online | 145 760 Arbeitgeber

Kununu.de

(Quelle: https://www.kununu.com/ch)

Übersetzt bedeutet Kununu- unbeschriebenes Blatt (aus der afrikanischen Sprache Suaheli). Das größte Portal, das inzwischen zu Xing gehört, überzeugt mit einer klaren Struktur, einer einfachen Navigation und einem nachvollziehbaren Bewertungssystem. Das Arbeitgeberranking ist allerdings unflexibel bis schwer zu finden, die Zusatzinformationen halten sich in Grenzen. Darüber hinaus gibt es leider kein Informationsmaterial. Was vor zehn Jahren als revolutionäre Start-up-Idee in Wien begann, veränderte das Verhalten, wie wir man sich heute über Unternehmen und potenzielle Arbeitgeber informiert. Auch hier finanziert sich die Plattform aus dem Employer Brandig Geschäft.

12 Jahre online | ca. 900.000 Arbeitgeber

meinChef.de

(Quelle: https://www.meinchef.de/)

Das Portal wurde 2010 gegründet und ermöglicht Bewertungen anhand einer 5-Punkte-Skala. Die unterschiedlichen Kategorien (z. B. Kollegen, Arbeitsbedingungen oder Chancengleichheit) werden nochmals in Unterkategorien unterteilt: beispielsweise „ergonomische Arbeitsplätze sind gegeben“. Zu der Besonderheit der Plattform gegenüber der Konkurrenz gehört eine explizite Nennung und Bewertung der Vorgesetzten. Desgleichen wird die Seite aus dem Employer Branding Geschäft finanziert.

9 Jahre online | ca. 11.000 Arbeitgeber

Glassdoor.de

(Quelle: https://www.glassdoor.de/index.htm)

Gegenwärtig vor allem im US-amerikanischen Raum bekannt, gibt es derweil auch einen deutschen Ableger von glassdoor. Nutzer beurteilen ihren Arbeitgeber oder das Vorstellungsgespräch anhand eines 5-Punkte/Sterne-Systems. Mögliche Kriterien sind beispielsweise Kultur & Werte, Gehalt, Vorgesetztenverhalten oder Karrieremöglichkeiten. Außerdem werden eine Weiterempfehlungsquote und eine Bewertung des Geschäftsführers errechnet. Als Goodie der Webseite steht einem die Möglichkeit offen sein Bewerbungsgespräch zu beurteilen. Es können die Gesprächserfahrung, die Schwierigkeit des Gesprächs, die Bewerbungsquelle (online, persönlich, Personalvermittlung …) und das Ergebnis (Jobangebot/kein Jobangebot…) angegeben werden. Außerdem wird der Gesamttrend aller Bewertungen auf einer Zeitachse nachverfolgt.

4 Jahre online (in DE) | ca. 23.000 Arbeitgeber

Indeed.de

(Quelle: https://de.indeed.com/companies?from=gnav-homepage)

Seit Oktober 2012 ist Indeed eine Tochter des japanischen Konzerns Recruit. Indeed ist doch eine Jobbörse? Ja, seit vergangenem Jahr führt das Jobportal aber auch eine Verlinkung zur entsprechenden Funktion auf der Startseite auf. Gerade als einer der größten Online-Jobbörsen landen zahlreiche Jobsuchende auf dieser Seite und kommen so mit Bewertungen der Arbeitgeber in Kontakt. Arbeitgeber können auf der Seite von jeder Person bewertet werden. Hier werden bis zu 5 Sterne in verschiedenen Kategorien, wie Work Life Balance, Leistungen und Vergütung, Unternehmenskultur und Jobsicherheit/Karrieremöglichkeiten, vergeben. Zudem ist eine zusätzliche Kommentarfunktion vorhanden, die Leistung des CEO kann bewertet werden und Vor- und Nachteile können verfasst werden. Jegliche Fragen, die gestellt werden können somit auch durch dritte beantwortet werden. Arbeitgeber können sich hier ebenso präsentieren und zu Social-Media verlinken. Eine direkte Beantwortung der Fragen durch die Arbeitgeber ist hier leider nicht möglich.

15 Jahren online, seit mehr als einem Jahr mit der Bewertungsfunktion | ca. 50.000 Arbeitgeber

Google for Jobs

 (Quelle: Job in Google eingeben und vergleichen)

In Amerika schon seit über zwei Jahren, seit diesem Jahr aber auch in Deutschland : Google for Jobs. Es ist keine eigene Suchmaschine, sondern ein recht ausgefeilter Ausbau der Job-Such-Möglichkeiten innerhalb der Googlesuche. Eine Art Jobsuche innerhalb der Google-Suche. Dabei durchsucht der Algorithmus von Google for Jobs das Internet (Jobbörsen, Karriereseiten, Unternehmensseiten) nach Stellenanzeigen und liefert diese direkt als sogenannte Enriched Search Results vor den normalen Suchergebnissen aus. Vor allem für mittelständische Arbeitgeber ist das neue Recruiting-Angebot der amerikanischen Suchmaschine interessant. Nicht nur kostenlos und bei Bewerbern omnipräsent, sondern auch ein direkter Einstieg durch das  Google Suchfeld in die Jobsuche. Nach Aussage des Unternehmens nun in über 100 Ländern verfügbar eine traumhafte Reichweite für Recruiter – WOW.

Neben den standardmäßigen Rich-Suchergebnissen wird in der Google-Suche eine interaktivere, verbesserte Klasse von Rich-Suchergebnissen unterstützt. Diese wird als angereicherte Suchergebnisse bezeichnet. Angereicherte Suchergebnisse umfassen oft interaktive Pop-ups oder andere fortschrittliche Interaktionsfunktionen.

(Quelle: https://support.google.com/webmasters/answer/7407437?hl=de)

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Orientierungshilfe: Stärken, Schwächen – Chancen, Risiken

Stärken und Chancen

 

Employer Branding

 

Durch Arbeitgeber-Bewertungsportale haben Sie die Möglichkeit ihr Employer Branding positiv zu beeinflussen. In dem Sie Kommentare sachlich und ohne Emotionen beantworten und auf Kritik eingehen, unterstützen Sie ihre positiven Außenwahrnehmung.

Transparenz

 

Ob positive oder negative Meinung – sie schafft so oder so mehr Transparenz und hilft künftigen Bewerbern bei der Orientierung. Einzige Bedingung: Sie bleiben sachlich-ehrlich und werden nicht bissig. Aufgrund dessen können Sie Bewerber, Kandidaten und Mitarbeiter besser verstehen.

Kommentarfunktionen

 

Glücklicherweise bieten ja einige Plattformen die Kommentarfunktion an, so können sie auf Bewertungen eingehen – Nutzen Sie das bitte auch! Bedanken Sie sich auch über positive Bewertungen und besänftigen Sie die Negativen. Sie können zum Beispiel auch auf darauf verweisen, dass sie der Kritik aktiv nachgehen möchten.

Questions and Answers

 

Auf einigen Plattformen können auch „freie“ Kommentare gestellt werden. Beantworten Sie diese informativ und helfen sie so Jobsuchenden und Mitlesenden Ihr Unternehmen besser zu verstehen.

!ACHTUNG! Die Bewertungen lassen sich auf den Plattformen nicht manuell löschen oder gar abändern. Natürlich bietet das den Vorteil, dass Bewertungen glaubhafter sind und Unternehmen diese nicht einfach löschen können – dies hat allerdings zur Folge, dass schlechte Bewertungen dauerhaft auf Ihrem Profil bleiben. Hier ist es umso wichtiger, das man in solchen Fällen, Stellung zu nehmen!

Schwächen und Risiken

Verfälschung

 

Auch wenn sich die Anbieter der Portale stets bemühen, unechte Kommentare zu löschen, ist es doch möglich das verärgerte Ex-Mitarbeiter ihren Frust ablassen, oder neuerlich beförderte Angestellte eine ausgiebig positive Bewertung hinterlassen. (kununu hat ein Content-Team dafür, das sich nur darum kümmert). Man kann davon ausgehen das beide Kommentare wohl nicht dem Alltag im Unternehmen widerspiegeln.

Verständnis und Umgang

 

Gehen Sie immer mit denselben Floskeln (Copy & Paste lassen grüßen) auf Kommentare ein oder widersprechen der Kritik, so kommt bei den Jobsuchenden Unmut auf und das trifft auf vollkommenes Unverständnis.

 

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Überraschung!

(Quelle: Social Media Personalmarketing-Studie 2018)

Bewerten Führungskräfte ihren Arbeitgeber öfter, als das Studenten und Absolventen das tun? Eine Frage, die sich abschließend nicht beantworten lässt. Beizustimmen ist es schon, vielleicht nehmen Berufseinsteiger schlechte Arbeitsbedingungen vielmehr hin, als Berufserfahrene. Oder aber: sie verlassen ihren Arbeitgeber ohne Anmerkung.

Tendenz:

  •       Schlecht bewertete Unternehmen werden zunehmend kategorisch ausgeschlossen
  •       Der Einfluss von Arbeitgeberbewertungs-Portalen auf die Wahl des Arbeitgebers nimmt zu

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Quintessenz

Plattformen für Arbeitgeberbewertungen sind nicht grundlegend etwas Schlechtes. Im Gegenteil, es ist wohl eher eine Möglichkeit das eigene Employer Branding zu unterstützen. Das wichtigste dabei ist jedoch die Pflege. Setzen Sie sich mit den Plattformen auseinander, vervollständigen Sie ihre Profile und verwenden Sie bitte die Kommentarfunktion als Arbeitgeber (wenn die Plattform das denn erlaubt/hergibt). Erfreulicherweise bedarf es dafür, dank zahlreicher Plattformen, nicht einmal viel Budget. Haben Sie schon geprüft, wie Ihre Stellenangebote auf Ihrer Karriereseite oder auf externen Jobbörsen bei der neuen Jobsuche abschneiden? Werden Sie von „Google Stellenangebote“ gelistet? Wenn nicht, kann ich Sie gerne unterstützen.

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